Samstag, 16. Juni 2018

Mädchenaufgabe

Dörte wird langsam nervös, ob wir auch alles schaffen, bevor es losgehen soll. Dabei sind wir doch eigentlich ganz gut davor: In 3-4 Wochen erwarten wir unsere Pässe mit den Visa zurück. Wir haben inzwischen auch geregelt, was während unserer Abwesenheit mit unserem Haus passiert: Ab August wird Dina ein Jahr lang hier wohnen. Dina ist das Au-Pair-Mädchen einer Nachbarstochter und wird ab August ein freiwilliges soziales Jahr in Deutschland machen. Wir sind froh, dass unser Haus bewohnt ist und Dina ist glücklich, dass sie eine günstige Unterkunft bekommt.

Heute stand das Kaufen eines Rucksacks für Dörte auf dem Programm. Wir sind also zu Globetrotter gefahren und haben uns beraten lassen. Der Verkäufer stellte dabei Dörte beim Aufsetzen des Rucksacks die "Mädchenaufgabe": Hochspringen und gleichzeitig an beiden Trageriemen nach hinten ziehen. Ein bisschen chauvinistisch war das ja schon, aber es hilft, dass Dörte sich die Schritte zum Einstellen des Tragesystems merkt:
  1. Lageriemen lösen
  2. Rucksatz aufsetzen
  3. Mädchenaufgabe solange wiederholen, bis der Hüftgurt auf der richtigen Höhe ist
  4. Hüftgurt schließen und spannen
  5. Lageriemen (das sind die Zusatzriemen ganz oben am Tragesystem) anziehen
  6. Trageriemen minimal lösen
Das ist bei fast jedem Tragesystem gleich - manche haben allerdings zusätzliche Lageriemen am Hüftgurt.

Uns wurden 3 Rucksacktypen gezeigt: Der klassische Trekking-Rucksack, die Reisetasche mit angebautem Tragesystem und der Rollkoffer mit angebautem Tragesystem. Dörte hat sich nach etwas Überlegung für den Rollkoffer entschieden. Das passt auch: Ich mit Trekking-Rucksack und Dörte mit Rollkoffer, das ist als ob ich mit dem Tourenrad und Dörte mit dem Pedelec fährt. Dieser Rollkoffer-Rucksack ist neongrün - jetzt braucht Dörte nur noch ein paar Blümchen-Aufkleber, damit das Teil auch unverwechselbar ist.

Anmerkungen von Dörte:
Wie gut, dass Jan das so genau aufgeschrieben hat! Erst jetzt wird mir der Unterschied zwischen    Lage- und Trageriemen klar!!! Gehirn an Augen: ROLLEN!
Mit Blümchen wird der Rucksack dann an mein kleines Hippie-Auto erinnern.
Erstaunlich war Jans Laune heute. Einkaufen ist ja sonst eine Hassaufgabe, vor allem, wenn man sich auch noch beraten lässt. Das scheint sich aber nicht auf Rucksäcke zu beziehen.

Montag, 30. April 2018

Visumanträge

Heute habe ich die Visumanträge für Weißrussland, Russland und China vorbereitet. Das ist gar nicht so einfach, da sitzt man schon einige Stunden dran. Besonders aufwendig ist China, denn dort will man schon beim Visumantrag Kopien von Flug- und Hotelbuchungsbestätigungen sehen. Und eine Flugbuchungsbestätigung gibt's natürlich bei uns nicht, also muss eine Bahn- und eine Busbuchung her. Für die Bahnbuchung habe ich tatsächlich einen Agenten gefunden, der solange vorher schon die Buchung entgegen nimmt. Ich habe sogar schon eine Bestätigung erhalten zusammen mit der Adresse in Ulan Bator, an der ich die Tickets abholen kann. Mit dem Bus von Nanning nach Hanoi ist mir das aber nicht gelungen - das Ticket muss ich vor Ort kaufen. Spannend, wenn der Zug aus Shenzen um 6:05 Uhr ankommt und der letzte Bus nach Hanoi um 10:30 Uhr abfährt ...
44 Seiten plus 2 Pässe
Damit uns das chinesische Konsulat auch glaubt, dass wir nach Vietnam ausreisen wollen, habe ich noch schnell eine Hotelbuchung in Hanoi hinzugefügt. Jetzt sind also Unterkünfte von Ulan Bator bis Hanoi gebucht und die Zugfahrkarten immerhin bis Nanning.

Das ist schon mal die erste Abweichung zu den Visitenkarten, die wir inzwischen haben drucken lassen. Denn eigentlich wollten wir nach Nanning schon mit dem Bus fahren.
Ganz billig sind die Visa und die Zugbuchungen übrigens auch nicht. Zur Finanzierung habe ich jetzt von der Krankenkasse die ausgelegten Impfkosten angefordert ...

Anmerkungen von Dörte:
Eigentlich war es ja nicht der Plan, alles genau durchzutakten - jedenfalls war es nicht mein Plan. Aber Jan hat versprochen, dass alle Hotels stornierbar sind und dass auch die Zugfahrten umgebucht werden können. Wir müssen nur erstmal das Visum haben.
Und wir werden zu den Nationalfeiertagen in Beijing und Shanghai sein, da kann es sinnvoll sein, vorher zu buchen.
Ich muss übrigens nochmal nachsehen, warum die Chinesen eine ganze Woche lang "Nationalfeiertag" haben....

Donnerstag, 22. Februar 2018

Tollwut und japanische Enzephalitis

Gestern war der Termin für unsere reisemedizinische Beratung im Impfzentrum St. Pauli. Ich hatte das Gespräch am Wochenende vorbereitet und die medizinischen Hinweise des auswärtigen Amtes für alle 30 Länder, die wir besuchen werden, durchgesehen. Heraus kam eine Liste mit 18 Krankheiten, gegen die eine Impfung empfohlen wird. 9 davon sind bereits für Deutschland vorgesehen und die meisten davon hatten wir natürlich schon. Es fehlte nur die Pneumokokken-Impfung durch den Hausarzt, die für Leute ab 60 Jahre empfohlen ist.

Bei Dörte kamen dann noch Grippeschutz, FSME (Auffrischung), Gelbfieber, Typhus, Cholera (hilft auch gegen fiese Durchfallerreger), Tollwut (3 Impfungen) und japanische Enzephalitis (2 Impfungen) zusammen. Das wird jetzt in 4 Terminen durchgezogen und mit Tollwut und japanischer Enzephalitis haben wir schon begonnen.

Bei mir ist es etwas weniger: FSME (Auffrischung), Typhus, Cholera, Tollwut (Auffrischung) und japanische Enzephalitis (2 Impfungen). Dafür reichen 3 Termine.

Die Cholera-Impfung (2* Schluckimpfung) machen wir erst im August kurz vor der Reise, damit die Wirkung lange genug anhält. Wir hatten sogar überlegt, die Impfung mitzunehmen und erst auf dem Containerschiff zu schlucken - das wäre für die Wirksamkeit optimal. Aber dafür brauchen wir eine perfekte Kühlkette und einen Kühlschrank wollten wir nicht mitnehmen ...

Mit etwas Glück können wir im August auch noch die Grippeschutzimpfung für 2018/2019 machen.

Und was ist mit Malaria? Da das Risiko außerhalb Afrikas nicht so hoch ist, macht man keine medikamentöse Prophylaxe, sondern nimmt für den Notfall ein Standby-Medikament mit. Der wichtigste Punkt ist der Schutz vor Mücken (imprägnierte Kleidung, lange helle Klamotten, gutes Schutzmittel mit mindestens 30% DEET). Das schützt auch vor weiteren Krankheiten, gegen die man sich teilweise nicht impfen lassen kann.

Andere Vorsorgemaßnahmen haben wir auch besprochen: Nur aus sicherer Quelle trinken, ungekochtes Essen schälen, Handhygiene, Vorsicht beim Baden in Süßwasser (Bilharziose), Kontakt mit Geflügel vermeiden.
Dörte mit ihrem neuen internationalen Impfpass
Wir hatten noch ein paar mehr Fragen, aber die werden wir erst beim nächsten Besuch los. Wir hatten unser Zeitkontingent schon lange überschritten und hinter uns bildete sich schon eine Warteschlange,

Anmerkungen von Dörte:
Die Beratung erinnerte mich an meine eigenen Arztbesuche bei unserem jetzt leider im Ruhestand befindichen Hausarzt. Ich bin immer mit fertigen Diagnosen hingegangen, er hat diese angehört, meinte dann:"Aber ich darf doch auch noch mal nachsehen?!" und hat dann irgend etwas anderes herausgefunden. Der (übrigens habilitierte) Tropenmediziner hat Jans Liste auch nur mit einem flüchtigen Blick gestreift. Aber ich muss zugeben, dass beide zu nahezu gleichen Ergebnissen gekommen sind.

Sonntag, 11. Februar 2018

Das rote Sofa

Auf dem roten Sofa haben wir gestern bei der Sendung Das! nicht gesessen, aber der Beitrag, der bei uns zuhause gedreht wurde, wurde tatsächlich gesendet. Man kann ihn in der Mediathek des NDR finden. Mal sehen, wie lange er dort erreichbar ist.

Die ersten Reaktionen von Freunden und Famile waren, dass wir gar nicht schrullig, sondern sympathisch rüberkommen. Wir sind also beruhigt, das hat Frau Bergmann gut gemacht!

Anmerkung von Dörte:
Ich glaube ja eher, dass die Kommentare der Familie, dass wir nicht schrullig rüberkämen,  Sympathiebeweise sind.

Freitag, 2. Februar 2018

Dreharbeiten

Gestern war der NDR bei uns, um einen Beitrag für die Sendung Das! zu drehen. Der Beitrag ist für die Sendung am 10.2.2018 um 18:45 Uhr vorgesehen.

So einen Beitrag von 3 bis 4 Minuten zu drehen ist ganz schön aufwendig: 4 Personen waren 4 Stunden lang bei uns, nur um das Rohmaterial herzustellen. Was wir alles gedreht haben, verrate ich hier natürlich nicht - ich will ja nicht die Überraschung verderben. Und was dabei wirklich herauskommen wird, das wissen wir selbst auch noch nicht. Wir haben aber Zutrauen, dass Frau Bergmann, die uns interviewt hat, einen schönen Beitrag zusammenstellen wird.

Aber seien wir ehrlich: Es wird ein altes Ehepaar zu sehen sein, dass eine verrückte und schrullige Idee hat. Aber wir werden diese Idee natürlich durchziehen! Uns wird es nicht gehen wie den Ameisen von Ringelnatz, die nach Australien reisen wollten ..

Anmerkungen von Dörte:
Unsere Tochter bereitet sich schon auf ein Leben als Promitochter vor. Wir hoffen nur, dass sie nicht ins Dschungelcamp geht.





Montag, 29. Januar 2018

Medieninteresse

Schon vor Weihnachten hat René Soukup bei mir angerufen und nach neuen Plänen gefragt. Vielleicht erinnert Ihr Euch: René ist der Reporter des Hamburger Abendblattes, der mich auf der letzten Etappe der Europaradtour 2014 begleitet und einen tollen Artikel darüber geschrieben hat.

Er war jedenfalls Feuer und Flamme, als er von unserer Weltreise erfuhr, und sagte gleich: "Daraus machen wir eine Geschichte - vielleicht sogar mit Berichten von unterwegs." Am 5. Januar hat er uns besucht und über die Reise interviewt, am 13. Januar ist der meiner Meinung nach sehr gelungene Artikel im Stormarn-Teil des Hamburger Abendblattes erschienen.

Im Detail kann man den Artikel hier als PDF nachlesen.

Aber nicht nur wir und unsere Nachbarn haben den Bericht gelesen, sondern auch der NDR. Am 1. Februar soll bei uns zuhause gedreht werden für einen vierminütigen Bericht in der Sendung "Das!" So richtig wissen wir noch nicht, wie man eine Reiseplanung visualisiert, aber das sind ja Profis, die kriegen das schon hin. Wir werden berichten!

Sonntag, 28. Januar 2018

Die ersten 600 km sind wir schon gefahren ...

Wir mussten nämlich nach Berlin, zum amerikanischen Konsulat. Weil wir mit dem Frachtschiff von Jakarta nach Los Angeles reisen, brauchen wir ein richtiges B1/B2-Visum in unserem Pass. Die normale Einreise-Erlaubnis mittels ESTA (Electronic System for Travel Authorization) reicht bei einem Frachtschiff nicht aus.

Das war nicht ganz unaufwändig: Es beginnt mit dem Ausfüllen eines Formulars im Internet. Das hat alleine für mich etwa 2 Stunden gedauert. Am nervigsten war die Angabe der Länder, die man in den letzten 5 Jahren besucht hat: Für das erste Land dauert es 3 Sekunden, dann "Land hinzufügen" klicken. Das dauert beim zweiten Land 6 Sekunden, beim dritten Land 9 Sekunden und so weiter. Bei 35 Ländern dauert das ganz schön lange ...

Ein weiters Problem war das Lichtbild. Nicht nur, dass Dörte vor dem Foto ihre Haare waschen musste, auch die Formanforderungen waren besonders. Die hochgeladenen Bilder wurden schließlich vom System akzeptiert, sahen aber nach den Upload völlig unscharf aus. Bevor wir nach Berlin fuhren, bekamen wir dann auch eine E-Mail, dass die Qualität der Fotos nicht ausreiche, verbunden mit der Warnung, dass ein ungenügendes Foto zu wochenlangen Verzögerungen der Visumerteilung führen könne. Wir haben dann kurz vor der Abfahrt noch in einer Nachtsession neue Fotos gemacht und mit einer guten Website auf das richtige Format getrimmt. Das ist nämlich 5 x 5 cm, mit unseren üblichen Automatenbildern in anderem Format wären wir vielleicht abgewiesen worden. Ein Ausdruck beim Bilder-Automaten bei Cloppenburg für 27 Cent im Format 10 x 15 bescherte uns dann 6 Fotos.


Als nächstes mussten wir per Kreditkarte bezahlen (160 $ pro Person) und einen Termin für ein persönliches Interview buchen: Dienstags, morgens um 9 Uhr. Wir haben uns entschlossen, schon am Montag anzureisen und in einem nahe gelegenen Hotel zu übernachten. Wir durften keinerlei Taschen, keine elektronischen Geräte und nichts Essbares mit in das Konsulat nehmen. Zum Glück konnten wir alles im Auto lassen. Dabei hatten wir unsere Pässe, Lichtbilder und die Einladung zum Interview mit aufgedrucktem Barcode. Das ist der Pflichtteil, außerdem war empfohlen alles mitzubringen, was unsere Angaben im Interview und im Internetformular unterstützen könne. Wir hatten also noch dabei: Familienstammbuch, Steuerbescheid, Kontoauszüge, Gehaltsbescheinigungen, Reiseunterlagen für die Frachtschiffreise, Buchungsunterlagen für das Hostel in Los Angeles, Bescheinigung der Arbeitgeber für die Auszeit usw.

Insgesamt hat die Prozedur im Konsulat etwa 90 Minuten gedauert: Durchsuchung, Anmeldung, Fingerabdruck abnehmen und 3 Minuten Interview. Nach den zusätzlichen Unterlagen hat niemand gefragt, die Pässe wurden einbehalten und nach wenigen Tagen mit eingeklebtem Visum zurückgeschickt.

Es war also eher wie ein normaler Behördengang, aber mit hohen Sicherheitskontrollen. Insgesamt ist es schon ganz schön aufwändig und es ist ärgerlich, dass das Generalkonsulat in Hamburg keine Visa-Abteilung hat. Das Positive: Es ist ein Visum für mehrfache Einreise und bis zum Ablauf des Passes gültig. Das relativiert dann auch wieder ein wenig die hohen Gebühren und den Aufwand.

Anmerkungen von Dörte:
Ein erster Streit: "Musst du wirklich die Fotos reinstellen? Die sind schrecklich!" Nach Jans üblichem Verweis auf die Aussage seines Vaters, wonach ein Foto auch nur das zeigen könne, was da sei, habe ich ja kurz an meine Joker gedacht. Jan hat mir zwei Streitbeendigungskarten geschenkt, Auf den Karten steht; "Der Streit ist beendet. Ich habe Recht. Wir machen es jetzt so, wie ich es will!" Supergeschenk - aber da ich nur zwei Karten zum jeweils einmaligen Gebrauch habe, sind sie für diesen Fall zu kostbar.
Den Job in der Botschaft stelle ich mir für die Angestellten stressig vor. Wir konnten die übrigen Interviews meist mithören: Ein Künstlerpaar, das eine Performance mit dem Titel  "Revolution now" in New York machen will, ein asiatisches Ehepaar mit zwei Kindern, von denen eines stolz und lautstark immer wieder bis 11 zählen konnte, ein Student, der ein Praktikum machen will und dann wir. Und für alle jeweils rund 3 Minuten. Wie da eine Kontrolle gewährleistet sein soll, ist mir schleierhaft. Aber Hauptsache, wir haben das Visum.