Donnerstag, 7. Februar 2019

Wieder durchs Hochgebirge

Heute sind wir 9 Stunden mit dem Bus nach Cuenca gefahren. Dabei ging es bis auf  3600 Meter hoch, aber es sah nicht wie im Hochgebirge aus. Eher wie Weideland, manchmal war man in 3000 Metern Höhe nämlich auch auf dem Boden eines weiten Tales.

Weideland auf über 3000 Meter Höhe
An der dünnen Luft hat man aber sofort gemerkt, ob es gerade sehr hoch (über 3500 Meter) oder ziemlich tief (etwa 2500 Meter und darunter) war. Dauernd gab es ein Knacken in den Ohren. Dazu kam noch, dass der Bus die Klimaanlage abgeschaltet hatte und es ziemlich stickig warm war. Wenn wir das kleine Fenster mal kurz öffneten, fand der Rest der Passagiere es einfach zu kalt. Und ein leichter Schnupfen hat mir das Atmen zusätzlich erschwert.

Die Passagiere sahen hier deutlich anders aus als auf den Strecken vorher: Es gab wenig Koffer und Rucksäcke, die verstaut werden mussten. Stattdessen fuhren viele Leute nur ein kurzes Stück mit und hatten ihre Einkäufe (z. B. eine Pappe mit frischen Eiern) auf dem Schoß. Viele Passagiere gehörten zur indigenen Landbevölkerung, hatten bunte Ponchos an und die speziellen Hüte auf. Man mag da ja nicht mit dem Foto so draufhalten, aber mit den Motiven hätte man auch Foto-Wettbewerbe gewinnen können.

Fliegende Händler, die bei den Haltestellen kurz einsteigen und ihre Waren anbieten, kannte ich ja schon. Heute war an einer Haltestelle ein Herr eingestiegen, der die nächste Stunde (das entspricht etwa 50 Kilometern) eine Rede über Gesundheit hielt. Er wollte natürlich seine Extraktpillen verkaufen, die einfach gut gegen alles sind. Auf Spanisch habe ich natürlich nicht viel mitbekommen, aber wenn es um das Aufzählen von Krankheiten ging, kam ich immer wieder rein. Und es waren mindestens 100 Krankheiten, von Magersucht bis Fettleibigkeit, von Kreislaufschwäche bis zum Haarausfall. Eine Dose hat er verkauft und alle anderen Mitfahrer waren froh, als er endlich ausstieg.

Nach dem Pillenprogramm kanm das Unterhaltungsprogramm: Close Range, The Mechanic: Resurrection, Blended und Rob-B-Hood. Die ersten beiden Filme waren brutale Killerfilme mit vielen Stuntszenen, "Blended" war eine lustige Komödie mit vorhersagbaren Gags. Der letzte Film ist ein alternativer Jackie-Chan-Film, weil er hier einen Verbrecher spielt. Aber einen liebenswerten natürlich. Wir haben diesmal mehr auf den Bildschirm geguckt, weil es ab Mittag draußen regnete und die Scheiben von innen beschlagen waren. Landschaft konnten wir deshalb keine mehr genießen.

In Cuenca sind wir pünktlich gegen 19:30 Uhr angekommen. Wegen der stickigen und dünnen Luft war es ein anstrengender Tag, obwohl wir eigentlich nur gesessen hatten. Wir hatten noch das Bedürfnis Essen zu gehen und haben den kurzen Weg zum zentralen Platz gewählt. Es sieht nett aus hier in Cuenca, das verspricht morgen wieder ein schöner Tag zu werden.

Die neue Kathedrale von Cuenca
Unser Abendessen war sehr lecker und wir haben uns Vorspeise und Hauptgericht gegönnt. Das war natürlich viel zu viel, aber Dörte konnte nicht widerstehen, zusätzlich ihre neue Lieblingsspeise zu bestellen: Ecuadorianische Kartoffelsuppe. Die wird unter anderem mit Avocado und Käse gemacht.

Dörtes neue Leibspeise: Ecuadorianische Kartoffelsuppe
Sonstiges: 

Mein Bruder hat Dörte erfreut, weil er eine Straße des 6. Januar (Dörtes Geburtstag) in Mexiko gefunden hat.  In dem Land gibt es sogar viele solcher Straßen. Schade, dass wir schon dadurch sind ...

Anmerkungen von Dörte:

Wir machen inzwischen einen Unterschied zwischen „Nahrung“ und „Essen“. Was Jan heute im Bus gekauft hat (bei jedem Halt kommen ja fliegende Händler rein) waren angabegemäss empanadas dulces. Das war aber lediglich Nahrung. Es sättigt halt. Heute Abend waren wir in einem Restaurant und ich habe eine ecuadorianische Kartoffelsuppe und Fettucini mit Champignons zu mir genommen - das ist richtiges Essen.

Mittwoch, 6. Februar 2019

Japserei

Heute sind wir mit der Seilbahn auf ca. 4000 Meter Höhe hochgefahren. Versprochen haben wir uns davon eine gute Aussicht und ein bisschen Akklimatisation. Und vielleicht auch einen oder zwei Geocaches. Die Bergstation hatte bei ihrer Eröffnung 2005 den Rekord für die höchste Bergstation der Welt inne. Interessant ist, dass wir billiger hätten hochfahren dürfen, wenn wir Mountainbikes dabei gehabt hätten. Dann hätten wir einen Tagespass für 6,50 $  kaufen können, so bezahlten wir 8,50 $ pro Person für Berg- und Talfahrt.

Einige Kabinen haben Träger für Mountainbikes angebracht
Die Aussicht über Quito war wirklich toll, aber die dahinter liegenden hohen Vulkane konnten wir wegen der Wolken nicht sehen. Bei gutem Wetter hätte man sogar den Chimborazo sehen können!

Aussicht auf Quito, aber nicht auf die dahinter liegenden Vulkane
Jeder Schritt und vor allem jede Treppenstufe ist uns in der dünnen Luft schwer gefallen. Wir japsten sozusagen um die Wette. Von den zwei Geocaches lag einer (der angeblich leichtere) etwa 350 Meter entfernt und der andere etwa 500 Meter entfernt. Wir haben uns zunächst für den schwereren Cache entschieden, denn zu dem musste man langsam aufsteigen, während es zum anderen Cache steil bergab ging. Uns war nicht klar, ob wir da wieder hoch gekommen wären. Etwa in der Cache-Entfernung gab es einen Aussichtspunkt mit einer atemberaubenden Schaukel. "Da will ich hin!" sagte Dörte und stapfte los. Und Ihr wisst schon: Wenn Dörte einmal losstapft, dann schafft sie das auch!

Sieht gefährlich aus, oder?
Ein gestelltes Foto mit Alpacas und Lama
gab eine angenehme Verschnaufpause
Den "schwierigen" Cache konnten wir dann schnell und einfach finden. Von dort haben wir einen etwas anderen Abstieg gewählt und kamen an einem Stand vorbei, wo man für 5 $ etwa 25 Minuten reiten konnte. Für mich ist das ja nichts, aber Dörte hatte ihren Spaß daran.

Dörte souverän im Sattel
Wir haben uns dann daran gemacht, den vermeintlich leichteren Cache zu finden. Diese Aktion hat über eine Stunde gedauert und wir mussten kaum noch erkennbare Trampelpfade nutzen. Auch der Höhenunterschied war größer als bei dem schwierigeren Cache. Schließlich haben wir dann doch noch einen Weg zur Dose gefunden. Der anschließende Aufstieg zur Bergstation hat uns dann aber völlig erschöpft. Wir haben uns auf einen Liegestuhl fallen lassen und noch einmal die Landschaft genossen. An einem Wochentag ist es hier oben nicht überlaufen und man hat Spaß daran, hier etwas herumzulaufen.

Wilde Landschaft auf dem Weg zum Cache
An der Talstation haben wir uns ein Taxi in die Altstadt genommen und zunächst etwas gegessen. Dann waren die Wasserspeier in Tierform an der Basilika an der Reihe, von denen Dörte gestern schon geschrieben hatte.

Basilica del voto nacional.jpg
Von Quito magnífico (shifted by Rabanus Flavus) -
https://www.panoramio.com/photo/16620646, CC BY-SA 4.0, Link
Ameisenbären
Panther
Affen
Schildkröten
Mit der Hoffnung auf einen besseren Blickwinkel auf die Wasserspeier haben wir uns für eine Turmbesteigung entschieden. Angenehm überrascht waren wir, als es mit dem Fahrstuhl bis zur ersten Aussichtsplattform ging. Hier hatte man schon mal einen guten Überblick über die Altstadt. Das war aber noch nicht alles: Von hier ging es quer durch den Dachboden oberhalb des Kirchengewölbes auf einem schmalen Brettersteg zum Vierungspunkt. Dort gibt es eine steile Leiter, die auf den Sockel des Vierungsturms führte.

Schmaler Holzsteg über dem Kirchengewölbe, am Ende eine Leiter
Damit nicht genug: Man kann auch über zwei weitere Leitern, durch die man nach unten bis auf die Straße sehen konnte, den eigentlichen Vierungsturm besteigen. Alles sehr gewagt und in Deutschland wohl nicht denkbar. Selbst die steile freischwebende Wendeltreppe im Turm der St-Petri-Kirche in der Mönckebergstraße fühlt sich sicherer an. Vom Turm aus hat man einen tollen Blick über das Dach des Kirchenschiffs auf die Portaltürme.

So gehts nach der ersten Leiter weiter
Leitern im Freien für den letzten Teil des Aufstiegs
Ausblick auf die Türme und das Kirchendach, dahinter die Altstadt
Der Abstieg geht auf dem gleichen Weg. Man kann aber noch einen weitere Etage mit der Rosette besichtigen.


Anmerkungen von Dörte:

Naja, Dörte souverän im Sattel mag ja sein, nur in den Sattel bin ich nicht ganz so souverän gekommen. Aber davon schweigen wir. In Andalusien hatte ich eine Treppe...

In dem kleinen Lokal habe ich erstmal meine neue Lieblingskartoffelsuppe gegessen. Als ich dann einen Kaffee bestellte, glaubte ich mich verhört zu haben bei der Frage: „flüssig oder trocken?“ Aber ich bekam heißes Wasser und entweder Nescafé oder ein flüssiges Kaffeekonzentrat in einem Ölfläschchen. Hmm. Frisch gebrüht ist besser.

Dienstag, 5. Februar 2019

Geburtstagstorte und die Mitte der Welt

Heute früh hat Dörte mich wirklich überrascht! Zunächst bekam ich ein Buch geschenkt, einen 4-Daagse-Krimi. Das Buch hat sie vom Besuch in Deutschland heimlich mitgebracht. Richtig gerührt war ich dann beim Frühstück: Zusammen mit dem Hotelpersonal hat Dörte eine Geburtstagstorte, Blumen und eine Flasche Wein organisiert. Dazu gab es dann auch ein vielstimmiges Ständchen. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet und ich habe mich sehr darüber gefreut!

Mein Geburtstagstisch
Meine Geburtstagssänger
Unsere Free Walking Tour am Morgen war auch sehr gelungen. Wir bekamen ein paar schöne Aussichtspunkte zu sehen, die wir alleine nie gefunden hätten.

Plaza Grande
Die Figur auf dem Hügel ist eine der
wenigen Darstellungen Marias mit Flügeln
Es gab haufenweise Tips von sicheren Geldautomaten über Touristenziele bis hin zu Restaurants, in denen man Cuy (Meerschweinchen) probieren kann. Wir haben auch diverse Früchte und Fruchtsäfte im Markt probiert.

Was da gerade abgefüllt wird, ist ein Krafttrunk aus
verschiedenen Säften, Zucker, Eis und einem rohen Ei
Vielfalt der Früchte aus Ecuador
Wir haben auch etwas über die Geschichte Ecuadors erfahren, ebenso wie über die Inflation, die zur Verwendung des US-Dollars als Zahlungsmittel führte. Insgesamt war die Tour sehr interessant und hat länger als 3 Stunden gedauert. Wir hatten schon Angst, dass wir zur Nachmittagstour zum Äquator zu spät kommen würden, es hat aber alles gepasst.

Diese Polizeiangestellte hat Dörte ermahnt,
ihr Smartphone nicht so offen zu tragen!
Vor dem Denkmal für die erste Revolution in Südamerika
Die Nachmittagstour zum Äquator führte uns zuerst zu einem kleinen Museum. Dieses Museum sollte genau auf dem Äquator liegen und es gab dort eine rote Linie, auf der man längs balancieren konnte. Das Nachmessen mit dem GPS zeigte: 120 Meter daneben.

Auf der roten Äquatorlinie
Auf der Linie wurden einige Experimente durchgeführt:
  • Die Corioliskraft wirkt angeblich nördlich und südlich des Äquators unterschiedlich auf den Strudel in einem ablaufenden Wasserbecken. Dörte hat es gefilmt (Video1, Video2) und es scheint zu stimmen: Trägt man das Wasserbecken 3 Meter nach Norden, hat es sich anders verhalten als direkt auf der Linie. Ich mochte es nicht glauben, aber auch beim erneuten Ablassen des Wassers war es so. Ein kanadischer Mitreisender hat mich hinterher aufgeklärt: Das Wasser war vorher nicht zur Ruhe gekommen und die Vorführende hatte den Eimer Wasser einmal links und einmal rechts eingegossen. Siehe auch den Beitrag dazu aus der Zeit.
  • Das Balancieren mit geschlossenen Augen auf der roten Linie soll besonders schwer sein, weil die Kräfte nach beiden Richtungen an einem zögen. Humbug!
  • Angeblich soll man nur am Äquator ein rohes Ei auf einem Nagel ausbalancieren können. Die Museumsangestellte hat es auf Anhieb hinbekommen, alle anderen nicht.
Die Tricks sind auch schön hier beschrieben.

Das eigentliche Monument ist etwa 240 Meter vom Äquator entfernt, hat eine gelbe Linie und sieht noch viel besser aus. Vom Ort her soll es zur ersten Messung der Franzosen aus dem 18. Jahrhundert passen.

Das große Monument
Auch hier gibt es ein Museum, aber das haben wir links liegen lassen. Hier gibt es nämlich auch einen virtuellen Geocache, d. h. man braucht keine Dose zu finden, sondern muss "nur" ein paar Aufgaben erfüllen. Hier mussten wir den tatsächlichen Äquator finden, wofür wir das umzäunte Gelände erst einmal verlassen mussten.

Auf dem wirklichen Äquator
Gegen 18 Uhr kamen wir wieder in Quito an, haben schön zu Abend gegessen und sitzen jetzt beim Rotwein auf der Terrasse vor unserem Zimmer. Außer Bloggen steht noch die weitere Reiseplanung bis Lima auf dem Programm. Vom Äquator waren es bis dahin nur noch knapp 1800 km!

Von hier möchte ich auch noch einmal allen für die Glückwünsche danken. Ich habe mich sehr darüber gefreut und sie haben zu diesem rundum schönen Tag viel beigetragen. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen ab Mai!

Anmerkungen von Dörte:

Ich bin am überlegen, morgen noch zur Kathedrale der Neustadt zu gehen. Wir sind daran vorbeigefahren und ich habe die Wasserspeier gesehen. Die sind sehr südamerikanisch in Form von Faultieren, Schildkröten etc. Das fand ich schon ungewöhnlich

Ansonsten möchte ich eine Straße des 6. Januars haben. Hier sind lauter Straßen nach Daten benannt. Warum nicht 6.1.? Ungerecht ist das Leben ...

Montag, 4. Februar 2019

Zu Fuß über die Grenze

Heute hatten wir eine Premiere: Keine grenzüberschreitende Bus- oder Zugbuchung, wir sind mit dem Taxi zur Grenze gefahren, über die Grenze gegangen und auf der anderen Seite mit dem Taxi wieder zum nächsten Busbahnhof gefahren. Es gibt hier zwar auch eine grenzüberschreitende Busverbindung, aber die fährt nur selten und ist sehr teuer.

Auf dem Weg nach Ecuador
... und wieder ein neues Land!
Zwei Sorgen haben wir uns vorher gemacht: Ecuador fordert seit neuestem eine Bescheinigung für eine Krankenversicherung und die hatten wir nur in Englisch auf dem Handy dabei. Zum Glück hat keiner danach gefragt. Und die zweite Sorge war theoretischer Natur: Wir könnten keinen Bus nach Quito bekommen. Als wir in Tulcán am Busbahnhof aus dem Taxi stiegen, waren die ersten Leute schon da, die uns in einen gerade abfahrenden Bus nach Quito ziehen wollten. Binnen 5 Minuten saßen wir im Bus, brauchten vorher kein Ticket zu kaufen und bezahlten dann im Bus 7 US-Dollar pro Person. Die Preise für Überlandbusse sind gesetzlich geregelt und betragen etwa 1 US-Dollar pro Stunde. Günstiger geht's eigentlich nicht.

Die Fahrt ging wieder durchs Gebirge. Zwischendurch sind wir mal bis auf 1000 Meter abgestiegen, aber am Ende in Quito sind wir wieder auf knapp 3000 Metern Höhe gelandet. Dörte merkt es am Schnaufen, wenn sie die Treppe hochsteigt. Wir sind jetzt übrigens wieder südlich des Äquators und morgen, an meinem Geburtstag, wollen wir ein Äquator-Denkmal besuchen.

Wir kamen noch im Hellen an und hatten auch noch Lust und Kraft, essen zu gehen. Im Fernsehen gab es die U20-Begegnung im Fußball zwischen Kolumbien und Ecuador. Wir wussten gar nicht so recht, zu wem wir halten sollten. Am Ende hat Ecuador durch ein Tor in der 96. Minute gewonnen. Der erste Eindruck, den wir bei dem kurzen abendlichen Spaziergang von Quito bekommen haben, ist positiv. Und es ist angenehm kühl hier!

In der Pizzeria. Man beachte die langen Ärmel, es ist kühl hier!
Die Visitenkarten unter der Glasplatte
haben wir gern ergänzt!
Anmerkungen von Dörte:

Geschickt eingeflochten, der Hinweis auf den Geburtstag. Hier wird nicht gefeiert. Höchstens durch die Erlaubnis, den Besuch des Äquatordenkmals (eine 3-Stunden-Tour) direkt an einen dreistündigen Stadtrundgang mit free walking tours dranzuhängen. Das reicht ja wohl!!!

Ach Übrigens:
Bei der Passkontrolle wurden wir in die Schlange für Alte, Kranke und Schwangere geschickt. Naja, immerhin geht's dann vielleicht schneller ...

Sonntag, 3. Februar 2019

Die Beule

Heute ging es mit dem Bus nach Ipiales, nahe der Grenze zu Ecuador. Die Fahrt haben wir uns als schwierig ausgemalt, mit sehr kurvenreichen Strecken oberhalb von 3000 Metern Höhe. 12 Stunden sollte sie dauern und bisher hat jede Busfahrt in Kolumbien mindestens 2 Stunden länger gedauert als angekündigt. Und schließlich liegt Ipiales selbst auch auf über 3000 Metern Höhe, d. h. mit Schlafschwierigkeiten ist zu rechnen. Wir haben deshalb Reisetabletten genommen (Dramamine) und Dörte hat zusätzlich Diamox eingenommen, um die Auswirkungen einer eventuell leichten Höhenkrankheit zu dämpfen.

Diese Reisetabletten machen müde und deshalb habe ich fast den ganzen Tag verschlafen. Das war ziemlich angenehm. An einer Stelle habe ich Dörte aber einen gehörigen Schreck eingejagt: Ich döste in der ersten Sitzreihe vor mich hin, wie üblich mit aufrechter Sitzhaltung und Kinn auf der Brust. Dann machte der Bus eine Notbremsung und ich flog mit vollem Tempo etwa einen Meter nach vorne und schlug mit der Stirn auf die Plexiglas-Scheibe der Fahrerkabine auf. Das hat richtig gerummst und ich war gleich hellwach. Zum Glück gab es keine Platzwunde und wie es scheint auch keine Gehirnerschütterung. Aber der Nacken tut ein wenig weh, ich habe dann vorsichtshalber den Rest des Tages Dörtes Nackenkissen um den Hals gelegt.

Die Beule wird mit Eis gekühlt
Die Straßen waren deutlich besser als erwartet, deshalb kamen wir pünktlich an. Trotzdem sind wir müde und gehen gleich ins Bett. Die Filme habe ich heute wegen der Müdigkeit überhaupt nicht beachtet. Sorry, Jana! Aber gelegentlich habe ich den Ausblick auf die Berge genossen.


Anmerkungen von Dörte:

Entfallen, weil sie schon schläft!

Samstag, 2. Februar 2019

Salsa

Calí gilt als Welthauptstadt des Salsa. Dieser Tanz ist von Kuba über New York nach Calí gekommen. Hier tanzt man ihn in einem ganz eigenen Stil, deutlich schneller. Die Disc Jockeys haben in den 70er-Jahren die Platten aus New York nicht mit 33 sondern mit 45 Umdrehungen abgespielt, weil sie es flotter fanden. Woher ich das weiß? Wir haben heute früh um 10 Uhr eine Salsa-Tour durch Calí mitgemacht. Dörte konnte dafür zwar nicht ausschlafen und brummte zunächst ein bisschen, aber dann hat es ihr doch sehr gefallen. Wir waren eine internationale Gruppe von etwa 15 Leuten und Paul, ein junger Mann, der von seiner eigenen Stadt hochbegeistert war, erklärte uns engagiert den Salsa. Angefangen von seinen Wurzeln bis hin zur heutigen Szene. Außerdem hat er uns einige Graffitis gezeigt und ein bisschen über die Stadt erzählt.

Es gibt ein eigenes Museum über Jairo Varela und seine Band Grupo Niche. Insbesondere brachte Paul uns den Superhit "Calí Pachanguero" (Youtube, unbedingt ansehen!) nahe. Er handelt von einem Caleño, der sich in der Fremde nach Calí zurücksehnt. Es ist eine Art Hymne für die Stadt und enthält auch die Phrase "Calí es Calí, lo demás es loma". Das ist schwer zu übersetzen, es bedeutet etwa Calí ist einzigartig und der Rest ist Gebirge. Insbesondere unterscheidet sich Calí also von Bogotá oder Medellin, die in den Bergen liegen.

Jairo Varela
Vor dem Museum steht ein Kunstwerk in Form einer riesigen stilisierten Trompete. Unter den vier "Hauben" kann man die Einzelteile des Salsa hören: Schlaginstrumente, Piano und Bass, Blechblasinstrumente mit Gesang und am Ende alles zusammen. Wenn man die Trompete von außen betrachtet, kann man den Namen "Niche" erkennen.

Die "Trompete" vor dem Museum
Paul erklärt die einzelnen Instrumente einer Salsa-Band
Auch zu den Graffitis hat uns Paul ein paar Geschichten erzählt:

Jovita, eine etwas verrückte arme Frau, die als Königin von Calí bekannt war.
Von links nach rechts:
Andrés Caicedo, Autor von ¡Que viva la música!

Héctor Lavoe, ein Salsa-Sänger. Besser: Der Salsa-Sänger
.
El Gato del Río, lange Zeit eine einsame Statue eines Katers.
10 Jahre war der Kater Junggeselle, inzwischen hatte die Stadt
 ein Einsehen und ihm 26 Freundinnen spendiert.
Rechts sieht man die Legende, dass in Calí auch der Teufel Salsa tanzt!
Nach dem Ende der Tour haben wir den Mercado de Almeda besucht. Hier kann man alle möglichen Früchte kaufen. Wir haben hier ein einfaches Mittagessen für 20.000 kolumbianische Pesos (etwa 6 Euro) zu uns genommen. Für einen Ausruhtag war das erst einmal genug und wir sind mit dem Taxi zum Hotel zurück für einen Mittagsschlaf.

Kolumbianische Früchte. Vorne links neben den Erdbeeren sind Lulos. 
Am Abend sind wir zunächst zum Frisör gegangen. Bei mir war es nach Hanoi, Bangkok und Mexico City wieder einmal fällig, aber auch Dörte hat sich dieses Mal die Haare schneiden lassen.

Dörte ist zufrieden mit dem Haarschnitt
Anschließend gab es für uns noch ein gutes Essen, diesmal haben wir als Getränk Lulo-Saft probiert. Der schmeckt etwa wie eine Mischung aus Erdbeer- und Zitronensaft. Sehr erfrischend und durchaus lecker. Die Variante mit Wasserverdünnung hat mir besser geschmeckt als die mit Milchverdünnung, weil sie die Säure nicht übertüncht.

Luladas, vorne mit Wasser, hinten mit Milch
Anmerkungen von Dörte:

Auf dem Vorplatz der Kathedrale sitzen ältere Herren mit Schreibmaschinen. Diese schreiben Briefe und füllen Formulare aus und helfen allgemein in bürokratischen Fragen. Ein reizender älterer Herr!


Übrigens sind wir heute Abend nicht zum Tanzen gegangen - aber nur, weil wir so früh mit dem Bus fahren morgen. 😉 Paul (gesprochen Pa u l) hat uns auch den Tanz 💃 selbst nahegebracht.

Ach, und heute hab ich den Feier-Stadtrundfahrt-Bus erwischt. Hier ein Minivideo.

Nachtrag:

Dörte ist stolz wie Oskar, sie hat die Klimaanlage repariert! OK, sie ist zum Portier gegangen und der hat die Sicherung wieder reingedrückt. Aber immerhin!

Freitag, 1. Februar 2019

Baustellen

Heute sind wir mit dem Bus nach Calí gefahren. Das sind knapp über 400 Kilometer, das sollte also ein Klacks sein. War es aber nicht! Es sollte um 9 Uhr losgehen und wir sollten um 19 Uhr ankommen. 10 Stunden sind ja schon happig für die Strecke, aber wir haben 13 Stunden gebraucht. Warum? Zunächst waren es die kurvigen Strecken in den Bergen, die uns kaum schneller als 40 km/h fahren ließen. Es ging wieder bis auf weit über 2000 Meter hoch, was einigen Passagieren nicht gut bekommen ist. Wir haben fleißig Reisetabletten und Plastiktüten verteilt. Gute Vorbereitung ist schließlich alles! Selbst haben wir aber keine Probleme bekommen (abgehärtet von der Segeltour!). Die Frau, die es am schlimmsten getroffen hatte, hat sich nachher mit 2 Portionen Mango mit Salz bei uns bedankt. Sehr nett! Das hätten wir sonst wohl nicht gekauft, aber als Mahlzeit zwischendurch kommt das gerade mit dem Salz sehr gut.

Steile und schroffe Bergketten
Mango mit Salz
Die richtige Verzögerung gab es aber durch Baustellen: An vielen Stellen kam man nur einspurig vorbei und zwei Baustellen waren zeitweise voll gesperrt. Vor einer Baustelle haben wir deshalb etwas über 2 Stunden gewartet. Fliegende Händler waren schnell da und haben uns mit zusätzlichem Essen versorgt.

Warten vor der Baustelle
Der Grund für die Vollsperrung war nicht zu erkennen!
Für das Mittagessen haben wir um 17:30 Uhr eine Pause eingelegt, das waren dann nochmal 40 Minuten Verzögerung. Das war aber sehr angenehm, denn wir hatten inzwischen alle Hunger. Für Jana noch einmal das Unterhaltungsprogramm: "Black Panther", "Jumanji: Welcome to the Jungle", "Maze Runner: The Death Cure", "Fast an Furious 8", "Fantastic Beasts and Where to Find Them". Beim gelegentlichen Hinsehen ist es tatsächlich schwer, irgendeine Geschichte zu erkennen. Es kommt einem vor wie eine sinnlose Aneinanderreihung von Action-Szenen.

Die beiden Busfahrer sind heute sehr vorsichtig gefahren. Dabei hatte Dörte es schon mit der Angst bekommen, als der erste sich vor Antritt der Fahrt bekreuzigte.

Auch Mr. Gearstick hatte Geduld an den Baustellen!
Gegen 22:30 Uhr waren wir im Hotel. Wir hatten uns zwischendurch überlegt, morgen schon nach Quito weiterzufahren, aber jetzt ruhen wir uns doch lieber einen Tag aus.

Anmerkungen von Dörte:

Nur als Zwischeninfo: Die Zahl der Follower bei Instagram liegt inzwischen bei 115. In einer Schulklasse in Trier wurde im Rahmen des Medienunterrichts jetzt ein Snickers ausgelobt für Follower Nr. 120. Mal sehen, wer das wird. Bis jetzt verhalten sich die Schüler taktisch abwartend...