Freitag, 7. September 2018

Moskau, 3. Tag

Wir waren gestern Abend zu schlapp, um uns noch einmal aufzumachen und Moskau bei Nacht von einem Aussichtspunkt zu fotografieren. Das machen wir nun heute Abend vor der Abfahrt mit der Transsib. Heute früh mussten wir packen und ich habe zunächst gar nicht geglaubt, dass alles, was in unserem Zimmer verteilt herumlag, überhaupt in die Rucksäcke passt. Die mitgenommenen Konserven und Tütensuppen wollen wir in der Transsib aufessen, dann wird es übersichtlicher. Noch haben wir ja erst 3 Kühlschrankmagneten ...

Viertel vor Elf standen wir vor den Toren des Alexandrovsky-Gartens, um zum Kreml zu gehen. Wir wurden aber nicht durchgelassen, sondern nur ältere Damen mit Orden an der Bluse und roten Nelken in der Hand. Es handelte sich um eine Kranzniederlegung vor dem Grab des unbekannten Soldaten mit Musik und Garde-Aufmarsch. War leider wegen des Sonnenstandes nur schlecht zu fotografieren,
Der Kreml selbst war aber offen und Dörte fand auch den Trick heraus, wie man schneller an Tickets kommt: Mit dem Automaten. Geht nur nicht für die Waffenkammer, dort sind die Kronjuwelen zu sehen. Aber wen interessieren schon die Kronjuwelen? Die Sicherheitskontrollen waren stärker als sonst und ich musste mein Taschenmesser abgeben. Ich dachte schon, es wäre weg, aber Dörte hat hinterher freundlich gefragt und bekam es sogar zurück.

Hat Dörte ihn nun zum Lächeln gebracht oder nicht?
Der Kreml war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte: Die rote Mauer kannte ich, aber mit so viel Parkgelände hätte ich nicht gerechnet. Und außerdem gibt es dort 5 Kirchen, von denen wir 4 besichtigen konnten.

Im Glockenturm gab es eine heute neu eröffnete Juwelen-Ausstellung, für mich war das nichts. Dörte sah aber durchaus interessiert aus ...

Mir hat es im Kreml richtig gut gefallen, inklusive einer gemütlichen Pause auf einer Bank im Park. Dörte nutzt ja diese Pausen, um den anderen beim Posieren für Urlaubsfotos zuzusehen. Asiaten haben da ganze Choreographien drauf, teilweise mit Transparenten. Dörte machte dann den Fehler, einer Gruppe von Thailändern anzubieten, ein Foto von der Gruppe zu machen. Sofort wurden Dörte und ich mit einbezogen und jedes, aber auch wirklich jedes Mitglied der Gruppe musste ein Foto mit uns beiden "Einheimischen" machen.
Nach dem Kreml haben wir dasselbe Lokal wie gestern aufgesucht. Never change a winning team. Diesmal hatten sie im Lokal aber keine Milkshakes und ich habe Dörte Kompot empfohlen. Das war ein guter Tipp. Heute hatte ich neben Borschtsch noch Teigtaschen mit Kirschen, Äpfeln und Quark bestellt - die süße Variante. Das fand Dörte auch lecker!

Das Lokal überzeugt nicht nur durch gutes russisches Essen und niedrige Preise, sondern auch durch die alten russischen Filme, die dort gezeigt werden. Sie sind alle qualifiziert für die Sendereihe "Schlechtester Film aller Zeiten" und laufen ohne Ton. Das macht aber nichts, sie gehen glatt als Stummfilme durch. Dörte war schon etwas traurig, dass sie nicht mehr mitbekam, wie die ausgebrochenen Tiger auf dem Schiff wieder eingefangen wurden...

Am Nachmittag haben wir die Basilius-Kathedrale besucht. Das ist die tolle Kirche mit den vielen Zwiebeltürmen. So unübersichtlich wie das Dach ist auch der Grundriss drinnen. Man hat das Gefühl, zuerst durch die Kellerräume zu gehen und tatsächlich kommt man dann eine Treppe hoch und steht in der Hauptkirche. Darum herum sind aber lauter andere Kapellen, alle auch im ersten Stock. In einer dieser Kapellen sang ein Männerchor und das hat uns sehr gefallen. Dörte hat ein Video gedreht, welches waagerecht beginnt und hochkant endet - nicht wirklich veröffentlichungsfähig. Mal sehen, ob ich den Audio-File zur Verfügung stellen kann.
Zum Abschluss sind wir in den neuen Sarjadje-Park gegangen. Wenig Grün, spektakuläre Architektur, ein Media-Center und eine Eis-Höhle. Wir waren hier vor allem wegen des spektakulären Aussichtspunktes über der Moskwa. Man hat hier nur eine halbe Brücke gebaut - zum Flanieren.
Heute Abend wollen wir hier noch unser Nachtfoto von Moskau schießen. Mal sehen, ob uns das gelingt: Es sieht so aus, als ob im dazugehörigen Amphitheater heute schon eine Veranstaltung wegen des Moskau-Geburtstages ist.

Anmerkungen von Dörte:

Wir haben jetzt drei halbe schlechte Filme gesehen - Super. Immer eine hübsche dumme Frau, viele saublöde Männer und derjenige der nicht ganz so schlecht aussieht wie die anderen bekommt sie am Ende. Ich gehe mal davon aus, dass auch diesmal die Tiger niemanden gefressen haben.

Das Taschenmesser zurückzubekommen war einfach: "Want back swiss knife!" - "You exit?" - "Yes" - "Okay!"

Donnerstag, 6. September 2018

Moskau 2. Tag oder "Was heißt eigentlich Pectopah"?

Heute haben wir uns vor dem Frühstück viel Zeit gelassen, es ist schön, einmal ausschlafen zu können. Wir waren allerdings um 10:30 Uhr am roten Platz verabredet zu einer Free-Walking-Tour. Das übersichtliche Frühstück und unsere hervorragenden gestern erworbenen Ortskenntnisse machten es aber möglich, dass wir sehr rechtzeitig am Treffpunkt waren.
übersichtliches Frühstück
unser Hotelzimmer im Kasaner Bahnhof
Helena war unsere junge Führerin und wir waren 10 Leute in der Gruppe. Sie führte uns zunächst zum roten Platz und erläuterte die Gebäude: Die kasanische Kirche, das Kaufhaus Gum, das historische Museum und den Kreml. Der Kreml war heute geschlossen, soll morgen aber wieder geöffnet sein. Helena zeigte uns mehrere Ansichten der Kremlmauer aus verschiedenen Jahrhunderten, um zu zeigen, dass sie früher mal weiß war. Es waren glaube ich 6 Fotos - aber keines aus dem 18. Jahrhundert!
Kasaner Kathedrale
Weiter ging es zum Leninmausoleum. Es steht vor dem Kreml auf dem roten Platz und man kann es vormittags besichtigen. Das ist leider unpassend für uns, denn morgen, am Freitag, ist es geschlossen. Die vielen Tribünen und Absperrungen auf dem roten Platz (und an anderen Stellen in der Stadt) sind übrigens für die Feier zum 871. Geburtstag der Stadt Moskau, der am kommenden Wochenende gefeiert wird.

Die Basilius-Kathedrale ist natürlich das Foto-Highlight des Tages. Iwan der Schreckliche hat sie bauen lassen als Dank dafür, dass er einen Krieg gewonnen hatte. Helena berichtete von der Legende, dass Iwan den Architekten habe die Augen ausstechen lassen, damit niemand wieder eine so schöne Kathedrale bauen könne. Wie gut, dass sowas bei IT-Architekten heute nicht mehr vorkommt. Oder doch?
Wir gingen dann zur Brücke über die Moskwa, eigentlich nur wegen des schönen Blickes. An einer Stelle waren Blumen niedergelegt und erst auf Nachfrage erfuhren wir, dass dies die Stelle war, an der Boris Nemzow erschossen wurde.
Wir gingen dann durch das Kaufhaus Gum und probierten die legendäre Eiscreme, die nach einem Geheimrezept aus Sowjet-Zeiten hergestellt wird. Was soll ich sagen: Genauso schmeckte es auch. War aber noch erträglich.

Weiter ging es die Nikolskaya-Straße entlang. Dies ist jetzt Fußgängerzone, aber es sind trotzdem noch einige Klöster an dieser Straße. Eine etwas komische Mischung von Kommerz und Religion.

Auf dem Rückweg zum Startpunkt sahen wir dann noch das Bolschoi-Theater, die Duma, das russische Parlament, und den heute leider geschlossenen Aleksandrovsky-Garten. Und Dörte stellte die berühmte Frage: "Was heißt eigentlich PECTOPAH?", gesprochen: Pecktopa. Die einfache Umschreibung aus dem kyrillischen ins lateinische Alphabet macht aus "PECTOPAH" das  Wort "RESTORAN" und dann sollte die Bedeutung klar sein. Helena gab passenderweise noch einen Tipp für das Mittagessen: Varenychnaya in der Nikolskaya-Straße. Das ist eine Restaurantkette, die sich auf Teigtaschen-Spezialitäten konzentriert haben. Lecker!
Dörte vor dem Bolschoi-Theater
Den Nachmittag haben wir im Gorki-Park verbracht. Der Park ist gut besucht und es gibt allerlei Attraktionen, z. B. einen Springbrunnen nach Musik. Ein Samsung-Galaxy-Stand bot Erlebnisse mit Virtual Reality an, aber es gab auch Tischtennis, eine Halfpipe für Skater, Boccia-Bahnen und Tretbootverleih.


Am Abend haben wir uns die Ortskenntnis für morgen geholt und schon mal nachgesehen, wo der Zug Richtung Irkutsk abfährt. Jetzt bloggen wir und genießen nochmal ein eigenes Zimmer mit richtigen Betten.

Anmerkungen von Dörte:
Zur Erläuterung des übersichtlichen Frühstücks: 1/2 Scheibe Toastbrot mit Käse, 200 g Rührei und 1 Tasse Kaffee.

Die Führung heute erinnerte mich an das Freilichtmuseum in Finnland. Dort zeigte das junge Mädchen immer auf noch ein Gebäude und erläuterte dann: "Und diese Sauna ist noch viel älter." Helena meinte bei den Erläuterungen zum Kreml: "Und im 16. Jahrhundert waren die Gebäude weiß. und im 17. Jahrhundert waren sie rot-weiß...." Die Bilder, die sie dazu zeigte, waren auf ihrem Handy gespeichert und sie ging die einzelnen Mitglieder der Gruppe ab, um sie jedem Einzelnen zu zeigen. Ein bisschen skurril war das schon. (Übrigens bin ich mir nicht mehr sicher, wann der Kreml welche Farbe hatte, da müsst ihr bei Interesse selbst recherchieren.)

Das legendäre Eis kostet übrigens jetzt pro Kugel 100 Rubel. Bis zur Fußball-WM waren es nur 50...

Mittwoch, 5. September 2018

Moskau 1. Tag

In Krustpils sind dann doch so etwa 20 Leute eingestiegen, der Nachtzug nach Moskau hat also nicht nur für uns gehalten. Dieser Zug bestand aus etwa 15 Waggons, die etwas anders waren als der gestrige. Aber nur sehr wenig: 54 statt 48 Betten, die Betten am Gang waren 5 cm länger und in der Mitte etwa 5 cm breiter als am Kopf und Fußende  (also ging der Gang leicht im Zickzack) und die Pritschen waren deutlich härter. Mein Tracking-Device meldete, dass es besseren Stellitenempfang hätte - aber trotz grün leuchtendem Blinken kamen die Positionsmeldungen nicht durch. Ich werde also wieder ein wenig von Hand nacheditieren müssen.

Die Schaffnerin wies uns zunächst 2 andere Betten zu, die beide unten waren. Dörte war schon sehr glücklich, nicht nach oben klettern zu müssen und ich war froh, mich früh schlafen legen zu können. Noch vor der Grenze tauchten aber 2 weitere Passagiere auf, die Platzkarten für unsere neuen Plätze hatten. Also mussten wir dann doch mit Sack und Pack umziehen und Dörte musste wieder oben schlafen.

Die Grenze war diesmal vor Mitternacht und wir konnten länger schlafen, deshalb fühlten wir uns besser als gestern. In Moskau haben wir im Rigaer Bahnhof als Erstes das Museum für historische Lokomotiven gesehen. Ohne Ende gab es auf dem Gleis, neben dem wir angekommen sind, die guten alten russischen Dampfloks zu sehen.
Wir machten uns auf zum Geldwechseln und zum Finden unseres Hotels. In meinem schönsten Russisch fragte ich in der Metrostation einen Mann, wie man denn zum Kasaner Bahnhof kommen könnte. Der schaute in einer App nach und gab mir die Antwort in bestem Englisch. Und Dörte fragte mich, warum ich denn die App auf meinem Handy nicht installiert hätte. Jedenfalls waren wir 10 Minuten später am Kasaner Bahnhof und suchten das Retro-Hotel. Das hatte ich ausgesucht, weil direkt gegenüber übermorgen Abend unsere Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn beginnt.
Dörte bewundert die Metro-Station Kamsamolskaya
Das Hotel liegt im Kasaner Bahnhof selbst. Wir mussten also erst durch die Sicherheitskontrollen, dann durch die Einkaufspassage, mit der Rolltreppe hoch in den Wartesaal und dort war der Eingang zum Hotel. Ohne Fragen hätten wir das nie gefunden! Das Zimmer war nach 30 Minuten Warten schon um 12 Uhr für uns fertig. Wir haben erst einmal geduscht und uns ein paar Minuten hingelegt.
Am Nachmittag gaben wir zuerst die Dreckwäsche an der Rezeption ab. 100 Rubel für einen Sack Wäsche, das sind etwa 1,25 Euro. Dann fuhren wir mit der Metro zum Office von RealRussia, um die Zugfahrkarten von Irkutsk nach Ulan Bator abzuholen. Das Moskauer Büro von RealRussia war ein wenig anders als erwartet: Im zweiten Stock eines unscheinbaren Gebäudes in einem Wohngebiet haben wir in einem langen Flur voller Büros an eine Tür geklopft und dort arbeiteten 2 junge Frauen, die uns tatsächlich unsere Tickets gaben. Die Wegbeschreibung war zum Glück gut genug und Dörtes "Wir sind hier bestimmt falsch!" hat sich zum Glück nicht bestätigt.
In diesem Gebäude ist das Office von RealRussia 
Die Fahrkarten von Irkutsk nach Ulan Bator mit glänzendem Siegel
Danach habe ich versucht, meine übriggebliebenen 65 weißrussischen Rubel zu tauschen. Das geht hier genauso schlecht, wie polnische Zloty in Deutschland in Euro zu tauschen - so gut wie gar nicht. Die etwa 25 Euro kann ich wohl als Lehrgeld verbuchen. Wir haben in einem irischen Pub zu Mittag gegessen und Dörte hat dort Butterbeer (Bier gemixt mit Milch, Ei und Butter) probiert. Klingt eklig, ist aber erstaunlich lecker. Etwa wie Baileys, nur mit weniger Alkohol.
Jetzt mussten wir aber auch noch etwas unternehmen, was man nur in Moskau tun kann. Also sind wir mit der Metro zum Roten Platz gefahren. Der ist leider mit Tribünen eingerüstet und dadurch ist der Kreml nicht so fotogen wie erwartet.
Der Eingang zum roten Platz war nicht von Tribünen verstellt
Das gegenüberliegende Kaufhaus Gum erstrahlte dagegen in vollem Glanze. Da ich Kniestrümpfe nachkaufen musste (das erste Paar habe ich schon durchgelaufen), haben wir sogar mit Kaufabsicht dieses Einkaufszentrum der Superlative betreten. Die Architektur dieses Kaufhauses ist wirklich überwältigend: 3 Lichthof-Galerien von 250 Metern Länge und das auf 3 Ebenen.

Es gibt sogar marmorne Toiletten dort, die sogar Dörte mit 150 Rubeln (etwa 2 Euro) zu teuer waren. Ich habe das Geld angelegt und eines der schönsten und saubersten Klos vorgefunden, die ich je erlebt hatte. Kaum war ich aufgestanden, wurde sofort nachgeputzt ...

Dörte war im Kaufhaus Gum überwältigt von den teuren Marken und bewunderte vor allem die Schuhe von Manolo Blahnik. Auch Handtaschen hatten es ihr angetan. Aber gekauft habe dann doch nur ich: Im Falke-Store neue Kniestrümpfe für 1700 Rubel (etwa 21 Euro). Jetzt kann ich mit Markenstrümpfen angeben!

Zurück am Kasaner Bahnhof haben wir noch etwas gegessen und lassen den Tag jetzt mit Bloggen ausklingen. Und freuen uns auf unser richtiges Bett!


Anmerkungen von Dörte:
Ich will mich an dieser Stelle mal als Fashion-Bloggerin versuchen: Der Trend geht in diesem Jahr bei den Schuhen zu HighHeelPuschen.


Dienstag, 4. September 2018

Krustpils again

Die erste Nacht im Großraumliegewagen war spannend. Ich habe für uns immer Liegen am Gang gebucht, weil wir dann selbst entscheiden können, ob wir sitzen oder liegen wollen. Das hat aber auch Nachteile: Der Platz für Gepäck reicht nur knapp aus, die Liegefläche ist deutlich zu kurz für mich (es fehlen 20 Zentimeter und die Füße kann man nicht einfach auf den Gang raushängen lassen) und ich kann nicht - wie die russischen Männer - das Bettlaken vor dem Pseudoabteil aufspannen, damit sich meine Frau umziehen kann. Damit müssen wir jetzt leben, weitere 6 Nächte sind genauso gebucht ...

Wir haben uns, wie einige andere auch, auf der Toilette zum Schlafen umgezogen. Man trägt nachts tatsächlich Nachthemd und Schlafanzug. Das Schlafen war schwierig, für mich vor allem, weil es so heiß war. Dörte hat eigentlich ganz gut geschlafen, selbst von den beiden Grenzkontrollen hat sie kaum etwas mitbekommen. Problematisch war hier vor allem das Aufstehen um 5:30 Uhr, weil wir um 6:37 Uhr in Krustpils ausgestiegen sind. Wir wurden angeguckt wie ein Weltwunder und es wurde dreimal nachgefragt, ob wir wirklich in Krustpils aussteigen wollen. Wir waren auch die einzigen, die aus dem Zug von nur 3 Waggons ausgestiegen sind.
Am Bahnhof war alles abgeschlossen. Etwa 10 Personen warteten auf den ersten Morgenzug, danach waren wir fast allein. Eine Gepäckaufbewahrung gab es nicht, aber ein Café, das um 7 Uhr öffnete. Dörte war auch nach einem Kaffee noch zu nicht zu gebrauchen - es fehlte einfach der Schlaf. Gegen 8:30 Uhr hatten wir geregelt, dass  das Gepäck im Café bleiben darf und wir machten uns mit dem Stadtbus auf den Weg, Krustpils bzw. besser Jekabpils zu erkunden. Krustpils ist heute nämlich nur noch ein Stadtteil von Jekabpils (Jacobsstadt). Das erste Ziel war natürlich die Struve-Straße, an der der Struve-Park liegt und in dem sich wiederum der Struvebogenpunkt befindet. Schnell haben wir ein paar Fotos gemacht und uns über die gepflegte Anlage gefreut.

Anschließend warfen wir einen Blick auf den Fluss Düna (oder Daugova), der bei Riga in die Ostsee fließt. Dann zwei Geocaches und ein hübsches kleines Kloster. Auch hier wurden uns - diesmal von einer Nonne - in Englisch die größten Schätze des Klosters gezeigt. Hier war es die Kopie eines Ikonen-Bildes, welches Wunder bewirken soll.
Was jetzt noch fehlte, war ein Kühlschrankmagnet aus Lettland - damit wurden wir in der Touristeninformation fündig. Ein Ort so groß wie Reinbek und eine eigene Touristen-Information! Aber es gab schon Einiges zu sehen: Eine Outdoor-Galerie von Gemälden, einen Luchs als Wahrzeichen und ein hübsches Heimatmuseum als Freilichtmuseum. Über Letzteres sind wir auf dem Weg zu einem der 4 Restaurants der Stadt gestolpert und haben gleich einen ausführlichen spontanen Besuch gemacht. Auch hier wurde uns freundlich alles auf Englisch erklärt. Das Beste aber war wohl die Schaukel für Dörte in der Sonne.


Nach dem Mittagessen waren wir rechtzeitig wieder im Bahnhofscafé, um das Gepäck abzuholen. Um 19:18 Uhr geht es weiter mit einem Zug, der nicht mal auf den Abfahrtstafeln angezeigt ist.

Technische Anmerkung:
Das Tracking im Nachtzug hat sehr schlecht funktioniert. Ich habe den Track heute von Hand nachbessern müssen, weil das Senden der Signale aus dem Zug heraus nicht geklappt hat. Ich habe den Tracker mitten in das Fenster gehängt, was mir jetzt von Dörte schon verboten wurde. Er hat nämlich die ganze Nacht in ihre Augen geblinkt.

Anmerkungen von Dörte:
Ein paar kurze Infos noch zu den Pritschen, die Jan gebucht hat: Die Breite entspricht ungefähr meiner Hüftbreite im liegenden Zustand. Das macht das Liegen auf dem Rücken ein bisschen schwierig. Bei der (stabilen - ist besser, wenn man oben schläft) Seitenlage stößt man mit einem Knie entweder an das Fenster, welches dann die Vibrationen des Zugs direkt überträgt oder das Knie liegt auf der Sicherung auf, die die "Matratze" am Runterrutschen hindert. Die Lösung ist: Wolldecke über die Sicherung legen und das Hörnchen zwischen Fenster und Kreuz stopfen.

Im Freilichtmuseum fand übrigens eine Rallye für Schüler statt. Deshalb waren die Eimer auch gegen kindgerechte kleine Blecheimer ausgetauscht. Normalerweise fassen sie mehr als doppelt soviel Wasser. Dabei hatte ich hier schon zu tun. Wer sich das ansehen will, Jan hat mich dabei gefilmt. Die Datei kann unter diesem Link (10 MB!) heruntergeladen werden.

Montag, 3. September 2018

Sightseeing in Minsk

Heute früh habe ich als Erstes das Geocaching erledigt, noch bevor Dörte aufstand. Ich habe Brot, Aufschnitt und Joghurt besorgt und wir haben gemütlich in der Wohnung gefrühstückt. Um 11 Uhr waren wir zu einer Freewalking-Tour verabredet. Diesen Tipp haben wir von Anna und Gunnar abgeguckt, die ihre Weltreise genau heute beendet haben. Das sind Stadtführungen durch engagierte lokale Führer, für die man am Ende ein Trinkgeld gibt - je nachdem, wie gut einem die Tour gefallen hat. Auf dem Weg zum Treffpunkt am Rathaus habe ich, nachdem wir an einem Souvenirstand  vorbeigegangen waren, einen blöden Scherz gemacht: "Gut, dass wir es schon verpasst haben, aus jedem besuchten Land einen Kühlschrankmagneten mitzubringen!"  Dörte rief: "Was? Da gab es Kühlschrankmagneten?" und kehrte sofort um und kaufte einen. Ich werde besser aufpassen müssen, was ich sage.
Auf dem Weg zum Treffpunkt kamen wir auch an der Hauptpost vorbei. Ein Prachtbau aus sowjetischen Zeiten mit tollen Buntglasfenstern, da hätte man auch ein Theater drin unterbringen können! Beim Warten auf den Beginn der Tour beobachteten wir eine Schulklasse, die auch eine Tour machten. Es begann gerade der Schnitzeljagd-Teil mit einem Wettkampf Jungs gegen Mädchen und da wurde mit Tempo zur Sache gegangen.

Die Tour wurde von Alexandra geleitet und es nahmen ca. 15 Personen dran teil - bunt gemischt aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten. Die Tour dauerte etwa 2 Stunden und wir sind etwa 4 Kilometer gelaufen. Alexandra sprach gutes Englisch, hatte aber Probleme gegen das orthodoxe Glockengeläut, den Baulärm und den Straßenverkehr anzureden. Minsk ist eine moderne Stadt mit vielen monumentalen Bauten, aber auch eine laute Stadt. Sie zeigte uns die drei Hauptkirchen in der Nähe des Rathauses (Kirche des Kirill Turovskogo, orthodoxe Kirche, katholische Kirche), die wir später am Nachmittag noch besucht haben,
Ruhiger war dann der Besuch auf der Insel der Tränen, ein Ort, der den gefallenen sowjetischen Soldaten im Afghanistan-Krieg gewidmet ist. Hier steht ein interessantes Monument mit 4 kleinen Kapellen. Es zeigt Mütter, die in alle Richtungen blicken und nach ihren Söhnen Ausschau halten. Alexandra berichtete, dass man damals von dem Krieg in Afghanistan fast gar nichts in der Bevölkerung wusste.
Weiter ging es durch eine eher "unechte" Altstadt (nur wenige Häuser aus dem 19. Jahrhundert) über den Park mit dem Opernhaus zum Siegesplatz mit dem Obelisken. Dort taten uns dann langsam auch die Füße weh und wir haben erst einmal etwas gegessen: Kartoffelpuffer mit Kaviar. Das passt doch für Weißrussland, oder?
Siegesplatz mit Obelisk


Den Nachmittag begannen wir mit einem Ausflug in die Vorstadt: Die Studentinnen hatten uns gestern das Kloster der heiligen Elisabeth sehr ans Herz gelegt.  Schon die Fahrt dorthin war interessant: Die modernen Hochhäuser wichen plötzlich Holzhäusern, die wie Datschas aussahen. Teilweise gab es sogar einen Mix dieser Baustile!

Beim Kloster war es plötzlich ganz ruhig, ganz anders als in der Stadt. Es ist eine wunderschöne Anlage mit insgesamt 4 Kirchen, von denen wir uns 3 angesehen haben. Mich beeindruckten vor allem die Wandmalereien. In der dritten Kirche (der des heiligen Franziskus) kam eine Frau auf uns zu, die uns mit ihren Englischkenntnissen voller Stolz die Reliquien ihrer Kirche erklärte. Das ist nur ein Beispiel, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen hier zu uns waren.
Zurück in der Stadt haben wir noch die 3 Kirchen besucht und jetzt auch deren Reliquienschreine bemerkt. Danach sind wir in ein Studentencafé gegangen und haben uns erst einmal ausgeruht. Jetzt sitzen wir im Wartesaal des Bahnhofs und bloggen. Es war ein wunderbarer Tag in Minsk!

Ach ja, die Graffiti-Straße haben wir nicht mehr geschafft: In Minsk ist Graffiti total verboten und man sieht sie auch nirgendwo. Wenn welche auftauchen würde, dann würde sie am nächsten Tag mit einheitlicher Farbe übermalt werden. Oder - wenn man das Graffiti vom Marmor der Metro-Station nicht abbekommt - mit Fake-Marmor-Klebefolie überdeckt. Die einzige Ausnahme ist die Straße Oktyabrskaya, die Graffity Street von Minsk. Einmal im Jahr werden dort alle Mauern übermalt, meist von brasilianischen Künstlern. Und dann gibt es ein brasilianisches Fest mit weißrussischem Einschlag, das soll sehr nett sein. Die Bilder haben wir uns jetzt im Internet angesehen.

Anmerkungen von Dörte:
Hätte nicht gedacht, dass Minsk auch eine Touristenstadt ist. Die Gruppe, die die Führung mitmachte, bestand aus Leuten folgender Länder: USA, Russland, England, Indonesien, Belgien, Norwegen und Deutschland. Und der Kühlschrankmagnet würde euch begeistern: Man kann ihn auseinandernehmen und hat dann drei kleiner werdende Matruschkas!!! Das ist doch super! Wenn wir zurückkommen, muss ich unbedingt einen anderen Kühlschrank kaufen - an meinem jetzigen haften die nämlich nicht.

Sonntag, 2. September 2018

Fahrt nach Minsk

Heute früh um kurz vor acht Uhr gab es die erste Pleite der Tour: Der von mir eingeplante Geocache ließ sich nicht finden. Es war nur ein einsamer Magnet zu entdecken, der vermuten ließ,.dass wir an der richtigen Stelle suchten. Damit ist die Idee, in jedem Land auf der Reise einen Cache zu finden, schon mal gestorben. Ich beklagte das ein wenig und fragte Dörte, warum sie mir denn gestern Abend das Cachen verboten hätte. Komischerweise konnte sie sich daran gar nicht mehr erinnern ...

Das macht aber alles gar nichts, denn in Polen habe ich schon weit über 100 Caches gefunden. Aber ich habe schon mal klargemacht, dass mir das in den Ländern, in denen ich noch nicht gecacht habe keinesfalls egal ist. Gut, wenn sowas ausgesprochen wurde!

Dass 45 Minuten vor Abfahrt noch kein Bus nach Minsk am Bussteig 11 stand, machte Dörte doch deutlich nervös. Etwa 25 Minuten vor Abfahrt kam er dann doch und es gab ein schönes Gewimmel mit Pass- und Visakontrolle und Gepäckverladung.
Wir hatten einen Platz ganz vorne in dem modernen Bus, der auch mit Klimaanlage, Wifi, Stromversorgung und Toilette ausgestattet war. Bis zur Grenze dauerte die Fahrt etwa 3 Stunden. Danach gab es weitere drei Stunden, die wir in den beiden Grenzstationen verbracht haben. Auf weißrussischer Seite waren die Kontrollen strenger: Alles Gepäck musste aus dem Bus geladen werden und jeder Koffer wurde durchsucht. Gut, dass Dörte ihre Zollbescheinigung für die Medikamente dabei hatte!
Die erste Go-Partie auf dem neuen Reise-Go-Spiel
An der Grenze haben wir zwei Deutsch-Studentinnen aus Minsk kennengelernt, die im Sommer auf Fehmarn gejobbt hatten. Sie sprachen hervorragend Deutsch und konnten uns Einiges über Weißrussland erzählen. Ich glaube, sie hatten ein wenig Angst, dass wir uns verlaufen könnten - bis ich ihnen mein GPS-Gerät gezeigt hatte.
Weißrussische Hochhausarchitektur in Brest
Die weitere Fahrt dauerte dann noch 5 Stunden und dazu kommt noch eine Stunde Zeitverschiebung. Deshalb kamen wir erst gegen 21 Uhr im Dunkeln in Minsk an. Wir waren gleich von dem Pracht-Bahnhof und den gegenüberliegenden Gebäuden begeistert.
Die spiegelnde Glasfassade des Bahnhofs
Im Bahnhof haben wir Geld gewechselt und erst einmal Cola zero gekauft. Und dabei erfreut festgestellt, dass die Ansagen für internationale Züge auch auf Englich zu hören sind. Der Weg zu unserem Quartier war nicht weit, aber es war schwierig, es zu finden. Der Name heißt VIP-Kvartyra, das klingt ja schon mal gut. Am Eingang war aber praktisch nichts zu sehen und erst beim zweiten Suchen fragte ich genau den Mann, der vor der Haustür eigentlich auf uns wartete. Er führte uns in ein Büro, wo wir den Papierkram und das Bezahlen erledigten. Danach trug er Dörtes Koffer durch ein schäbiges Hinterhof-Treppenhaus in den dritten Stock, wo eine erstaunlich schöne Wohnung auf uns wartete.


Anmerkungen von Dörte:
Schnell, bevor McDonalds zumacht: Jana, natürlich trage ich keine Socken in Sandalen! Hier handelte es sich um extra für lange Bustouren angeschaffte Stützstrümpfe. Da müssen alte Leute auch mal Kompromisse machen.
Jan ist aber doch einigermaßen entspannt - unter anderem daran zu sehen, dass er bereit war, bei einer nochmaligen Unlust meinerseits, Cachen zu gehen, einen weiteren Joker zu spendieren!! Mal sehen, wie fies ich bin.
Heute war ich ausgesprochen unfies aufgelegt, denn das Gospiel hätte ich im Endspiel eigentlich noch zu meinen Gunsten herumreißen können durch das Töten einer Gruppe. Habe ich dann aber doch nicht gemacht. Vielleicht morgen.

Anmerkung von Jan:
Da hat Dörte aber was falsch verstanden. Es bleibt bei zwei Jokern!

Dörte:
Jetzt nehme ich morgen beim Gospiel keine Rücksicht!!!!

Samstag, 1. September 2018

Warschau

Heute früh sind wir von Dina und unseren Nachbarn zünftig vor unserem Haus verabschiedet worden. Vorher hatte Dörte noch einen Rappel bekommen, d. h. sie hat die Betten frisch bezogen und eine Maschine Wäsche gewaschen, als ich schon den berühmten Ausspruch " X minus 10 Minuten" aufsagte. Wir sind aber rechtzeitig losgekommen und tatsächlich um 8:01 Uhr mit dem Bus 136 gefahren.

Beinahe hätten wir unseren ersten Anschluss in Bergedorf verpasst, weil es eine Straßensperrung in Reinbek gab und der Bus einen Umweg fahren musste. Ich dachte ja, dass er das am Samstag früh locker wieder aufholt, aber der Bus ist tatsächlich mit Leuten voll geworden, die zum Markt wollten. Wir hatten aber noch 5 Minuten, um die Regionalbahn zu erreichen.

Ansonsten lief alles ganz rund. Wir fanden es erstaunlich, wie müde man vom Bahn fahren wird. In Berlin sind wir über einen der neuen Virtual Geocaches gestolpert, der passte richtig gut zu unserem Start. Im Zug nach Warschau wurd das Wifi komischerweise erst hinter der Grenze richtig gut. Im Speisewagen nahm ich natürlich Piroggen und Dörte diese saure polnische Mehlsuppe, von der sie so begeistert ist. Dabei musste ich feststellen, dass meine rudimentären Polnisch-Kenntnisse doch etwas eingerostet sind, Aber das macht nichts, denn morgen verlassen wir Polen ja schon wieder.
Für den Virtual Cache musste man ein
Stück Papier oder eine Fahrkarte stempeln!
Wir werden heute Nacht viel umpacken müssen. Im "kleinen Tagesgepäck" vermissten wir z. B. eine Powerbank, einen Ladestecker, einen Kindle, eine Haarbürste und etwas Warmes zum Einkuscheln. Die eingepackten Dosenkonserven gehören dagegen  zwar offiziell zum Proviant, waren heute aber völlig nutzlos.

Das Tracking funktionierte so lala. Ich musste mich mehrfach mit dem SpotGen-Tracker an die Fensterscheibe auf dem Gang pressen, damit die Signale auch empfangen und gesendet werden konnten. Mal sehen, wie das im Bus und im Liegewagen wird ...


Anmerkungen von Dörte:
In Berlin warteten wir auf den Zug und Jan ist natürlich erst einmal losgezogen um sich die unvermeidliche Cola light zu holen. Zwischenzeitlich kam ich mit einer Dame ins Gespräch und erwähnte, dass wir ja noch weiter reisen werden als Warschau. "Weiß ich, ich kenn´ Sie aus dem Fernsehen." war ihre Antwort. Manchmal ist man echt sprachlos.